Wissen ist nicht Weisheit: Was uns in Zeiten von KI menschlich macht mit Tim & Elisabeth | #292

15. Oktober 2026 · 66 Minuten · ein Gespräch mit Elisabeth

Welche Achterbahn reite ich, und welche Achterbahn reitet mich?

Wir leben in turbulenten Zeiten. Turbulent kann heißen, dass wir hin und her geschüttelt werden und gar nicht mehr wissen, wo wir eigentlich stehen. Es kann aber auch heißen, dass wir wie in einem Freizeitpark in der Achterbahn sitzen und den wilden Ride genießen. Je mehr Ablenkung, Technologie und Geschwindigkeit um uns herum sind, desto wichtiger wird es, dass wir unser Zentrum kennen.

Zum Start in die dunkle Jahreszeit sitzen Elisabeth und ich auf dem Sofa und checken ein: Was ist gerade präsent? Bei Elisabeth ist es ihre Geburtstagswoche. Bei mir ist es die künstliche Intelligenz.

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Montag, 26. Oktober, 18 bis 20 Uhr. Zwei Stunden über Atem, Bewegung und Stille tief in den Körper, bis du spürst, was gehen darf und was entstehen möchte. Keine Vorerfahrung nötig.

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In dieser Folge

  • Präsenz ist eine Wahl, und wir dürfen den Regler auch mal runterdrehen
  • Was KI uns abnimmt und was nur wir Menschen können
  • Langeweile als Tor zur Kreativität
  • Warum Bequemlichkeit gefährlicher sein kann als Angst
  • Eine geöffnete Hüfte, eine Nacht voller Angst und ein klarer Morgen
  • Gemütlichkeit, Langsamkeit und das Gold in der Dunkelheit

Wenn 98 Prozent der Arbeit wegfallen

Gerade passiert etwas mit einer unfassbaren Geschwindigkeit. Ein Podcastgespräch wird transkribiert, daraus werden Kurzvideos geschnitten, fast auf einen Klick. Für mich als jemanden, der Räume schafft, fallen plötzlich 95 bis 98 Prozent der mechanischen Arbeit weg.

Ich hatte diesen Moment: Ich habe den Puls der Woche aufgenommen, den Ablauf gestartet, und meine KI hat für mich gearbeitet. Dann stand ich da und dachte: Jetzt wird ganz viel Zeit frei. Was mache ich jetzt? Plötzlich ist wieder Raum frei für Menschlichkeit.

Und ich sage es ehrlich: Auf dem Weg passieren noch Fehler. Manchmal lese ich einen Text und merke, der klingt gar nicht nach mir. Genau daran sehe ich, worauf es ankommt.

Wissen ist nicht Weisheit

Wissen ist Information. Wenn ein Mensch spricht, schwingt etwas mit, das ein inneres Wissen in uns auslöst, aus dem Feld der Weisheit. Wir kontemplieren, wir haben einen kreativen Prozess, in dem etwas in uns ausgelöst wird.

Das selbst zu verdauen und selbst zu erkennen, das können nur wir Menschen. Ein schlauer Satz, den wir bekommen, führt uns nicht unbedingt dahin. Das macht uns zu kreativen Wesen. Das ist menschlich.

Preiswerter als die Software

Bevor ich mit dem Körper gearbeitet habe, war ich Ingenieur und habe Rohrnetze berechnet. Irgendwann hat mein Chef zu mir gesagt: Es gibt eine Software, aber die kostet 20.000 Euro, und du bist im Moment preiswerter als die Software. Diesen Moment habe ich nie vergessen. Ich dachte: Was mache ich hier eigentlich? Irgendetwas fühlt sich gerade ziemlich falsch an.

Statik oder Rohrnetzberechnung kann ein Computer viel besser. Wenn wir uns mit unserem Verstand verwechseln, vergleichen wir uns mit der KI. Dann verlieren wir und bekommen Angst.

Die kraftvollste Technologie ist unser Körper

Die kraftvollste Technologie, die wir haben, ist unser Körper. Und das wird auch so bleiben. Entscheidend ist, dass wir realisieren, was wir Menschen wirklich sind: im Körper zu spüren, was wirklich wahr und was wirklich lebendig ist. Wenn wir ins Herz oder in den Körper kommen, konkurrieren wir nicht mehr mit KI. Es gibt keinen Vergleich.

Und wenn wirklich Langeweile da ist, entsteht etwas Wundervolles. Wir sehen das bei Kindern. Wir werden unendlich kreativ, wenn wir keine Aufgabe haben. Wir dürfen in diese Langeweile hineingehen und uns fragen: Was würden wir wirklich tun?

Die Gefahr der Bequemlichkeit

Elisabeth bringt Huxley und Orwell ins Gespräch und einen Gedanken, der hängen bleibt: Das Gefährlichere ist die Bequemlichkeit. Wenn alles plötzlich bequem ist, denken die Menschen nicht mehr nach.

Gerade bei den KI-Themen ist es ihr wichtig, das eigene Gefühl und die Intuition zu behalten. Hinzuspüren, wo spüre ich eine Wahrheit, und kritisch zu hinterfragen. Und als Mama achtet sie darauf, dass Kinder dieses natürliche Kritischsein behalten dürfen.

Unsere Biologie trägt unsere Biografie

Ich sage gern: Unsere Biologie trägt unsere Biografie. Jeder Teil unseres Körpers trägt einen bestimmten Aspekt von uns selbst, ein Geschenk, eine Richtung. Das haben wir oft verloren.

Am Abend vor der Aufnahme hatte ich eine Session in der Membership, drei Stunden nur Bewegung, bis tief ins Becken. In der Nacht kamen ganz diffuse Ängste hoch. Am Morgen in der Meditation kamen Einsichten, ich habe viel verstanden. Mir wurde klar: Ich habe meine Hüfte geöffnet und damit etwas, das dort gesessen hat. Mein Körper hat sich entladen, bis sich auch mein Verstand neu organisiert hat.

Gemütlichkeit und Langsamkeit

Für Elisabeth beginnt mit der dunklen Jahreszeit eine Zeit, auf die sie sich freut: Geburtstag, Weihnachten, Gemütlichkeit. Seit sie Mama ist, hat sie die Langsamkeit schätzen gelernt, weil aus dieser Langsamkeit so viel entstehen kann.

Kapitel

00:00 Drei Momente aus dieser Folge
00:46 Welche Achterbahn reite ich, welche reitet mich?
01:44 Willkommen Elisabeth: Was ist gerade präsent?
04:30 Präsenz ist eine Wahl
07:38 Ein schlechter Tag und die Entscheidung, es schön zu machen
12:07 Die Zukunft ist hier: KI und der Content-Kreislauf
20:52 Raum für Menschlichkeit: Wissen und Weisheit
22:59 Preiswerter als die Software
24:28 Netflix und Chill oder kreative Langeweile
34:00 Die kraftvollste Technologie ist unser Körper
36:27 WALL-E, Huxley und Orwell: Die Gefahr der Bequemlichkeit
46:28 Unsere Biologie trägt unsere Biografie
54:10 Einladung: Der Ruf am 26. Oktober
55:16 Die dunkle Jahreszeit: Gemütlichkeit und Langsamkeit
1:01:12 Elisabeths Geburtstagswunsch

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Herzliche Grüße, Tim

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