The Body Remembers: Egypt, a Coma and Following the Heart — with Lars Veenstra | #293

Auf einen Blick: In Folge #293 von „Der Puls mit Tim Böttner“ spreche ich mit dem niederländischen Filmemacher Lars Veenstra über Körpergedächtnis. Zehn Jahre nach einem Mountainbike-Unfall mit drei Tagen Koma hat ihn eine Hüftöffnung am Nil in genau diesen Moment zurückgebracht.

  • Was der Körper speichert, auch wenn der Kopf sich nicht erinnert
  • Ägypten mit Human Garage: hinter der Kamera und gleichzeitig mittendrin
  • Ein Jahr nur dem Herzen folgen, mit der Frage „Was würde die Liebe tun?“

Die Folge ist auf Englisch und erscheint am 22. Oktober 2026. Auf YouTube kannst du deutsche Untertitel zuschalten.

Lars Veenstra – The Body Remembers, Folge #293

Ten years ago, Lars Veenstra hit a tree at 45 km/h. Three days in a coma, eighteen days in hospital. In Egypt this spring, during a hip opening on the banks of the Nile, his body went back — not to the crash, but to the coma.

In late March 2026 I spent ten days in Egypt, seven of them on a shared journey with Lars. I guided a group through the temples together with Human Garage, and Lars captured the journey on camera. We brought together bodywork, consciousness practice and ancient, sacred places. A lot happened.

So we sat down to talk about it. What Egypt did to Lars and how he perceived it, working behind the camera while going through it himself. Why he gave himself a full year to follow only his heart, and why he falls out of it every day. How a breathwork retreat showed him he didn’t love himself, and how, three years later, the same practice showed him the opposite. And the surprising parallel threads between his story and mine.

For me, the most beautiful moments in a conversation are when something is said that nobody planned and nobody has ever said that way. This episode had several of them.

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About Lars

Lars Veenstra is a Dutch storyteller, filmmaker and photographer, and the host of the podcast Spirit Unfolding. He grew up filming downhill mountain bike races and now documents retreats and the people who change in them.

In this episode

  • Following the heart for a year — and falling out of it every day
  • „What would love do?“ — the question Lars keeps returning to
  • Flow and meditation — why a four-minute downhill run is the same doorway
  • Two breathwork retreats — „I don’t love myself“, and three years later, „I love myself“
  • Egypt — five temples, five days, five regions of the body; Dendera and the Serapeum at Saqqara
  • Holding space — serving a group without projecting your own shadow into it
  • The body remembers — a coma that surfaced ten years later, and the love Lars woke up to
  • The fear of death — and why it may really be the fear of not having fully lived

🇩🇪 Auf Deutsch

Vor zehn Jahren ist Lars Veenstra mit dem Mountainbike bei etwa 45 Kilometern pro Stunde gegen einen Baum gefahren. Sein Helm war in fünf Teile zerbrochen. Er lag drei Tage im Koma und achtzehn Tage im Krankenhaus. An den Aufprall selbst erinnert er sich nicht. In seinem Gedächtnis ist dort nur ein schwarzer Schnitt.

Im März dieses Jahres, am vierten Tag einer Reise den Nil hinauf, lag Lars auf einer Matte und ließ sich von einem Übungspartner die Hüfte öffnen. Der Schmerz wurde größer, als er es gewohnt war. Er bat darum, das Bein loszulassen. Dann kamen Aisha Rodrigue und Jason van Blerk von Human Garage dazu und arbeiteten weiter, an genau den Stellen, die der Unfall damals verletzt hatte. Und Lars‘ Körper ging zurück. Nicht zum Unfall. Sondern in den Moment, als er im Koma lag.

Diese Geschichte ist der Kern meiner neuen Episode mit Lars. Und sie ist der Grund, warum ich unbedingt mit ihm sprechen wollte.

Die Episode ist auf Englisch. Auf YouTube kannst du deutsche Untertitel zuschalten.

Zehn Tage Ägypten

Ende März 2026 war ich für zehn Tage in Ägypten und habe davon sieben Tage auf einem gemeinsamen Trip mit Lars verbracht. Ich habe eine Gruppe durch die Tempel geleitet, gemeinsam mit Human Garage, und Lars hat die Reise mit der Kamera begleitet. Wir haben Körperarbeit mit Bewusstseinspraxis und historischen, spirituellen Orten verbunden: Philae, Kom Ombo, Edfu, Dendera, Karnak. Jeder Tempel mit einer eigenen Qualität, jeder Tag mit einem eigenen Bereich des Körpers.

Lars ist Storyteller, Filmemacher und Fotograf aus den Niederlanden. Er ist mit Kameras aufgewachsen, hat jahrelang Downhill-Rennen gefilmt und begleitet heute Retreats und die Menschen, die sich darin verändern. Daneben hostet er seinen eigenen Podcast, Spirit Unfolding. Was mich an ihm berührt: Er sucht in einer Geschichte nicht das Spektakel, sondern den Moment, in dem jemand durchlässig wird.

Im Dienst und gleichzeitig mittendrin

Lars sagt, er war auf der Reise vielleicht zu 50 bis 60 Prozent Filmemacher und den Rest Teilnehmer. Und selbst in den Momenten, in denen er da war, blieb ein Teil von ihm im Kopf: Wo ist die nächste Einstellung, wer braucht ein Interview, ist der Akku noch voll. Als unser Wasserspezialist Eric Laarakker in einem Tempel über Leylines sprach und viele in der Gruppe deutlich etwas spürten, fühlte Lars nichts. Er lachte und sagte, er sei wohl nicht so sensibel. Eric antwortete: Doch, das bist du. Einen Monat später, bei Eric zu Hause, hat Lars es dann gespürt.

Ich kenne das sehr gut. Ich habe die Gruppe gehalten, jeden Morgen um sechs, jeden Tag ein neuer Tempel. Erst am letzten Tag, als der Raum sich schloss, haben Aisha und Jason meinen Kiefer gelöst. Zuerst war da nichts. Und dann war mein Herz so offen, dass alles kam: Schmerz, Tränen, keine Worte. Danach habe ich verstanden, wie viel ich die ganze Woche gehalten hatte. Und wie sehr ich mich dabei selbst verlassen hatte.

Lars hat dazu etwas gesagt, das ich mir aufgeschrieben habe. Wer Räume hält, hat Schatten wie alle anderen. Die Kunst ist nicht, keine zu haben. Die Kunst ist, sie nicht in die Gruppe zu projizieren, sie zu benennen und später zu verarbeiten. Er nennt das spirituelle Hygiene.

Was der Körper speichert

Zurück zur Matte am Nil. Lars beschreibt, wie sein ganzer Körper schrie, als Aisha und Jason auf die Stellen drückten: Mach mich nicht auf. Die Angst war da, roh und alt. Und dann, während sie weiterarbeiteten, löste sich etwas. Als er aufstand, fühlte es sich an, als würde sich ein Reißverschluss durch seine ganze Wirbelsäule öffnen. Er konnte zurück in seine natürliche Haltung. Sein Körper hatte den Aufprall zehn Jahre lang gehalten.

Das ist für mich eine der klarsten Beschreibungen von Körpergedächtnis, die ich je gehört habe. Der Körper speichert nicht nur ein Ereignis. Er speichert einen Zustand. Bei Lars war das nicht der Schreck des Unfalls, sondern das Ausgeliefertsein im Koma. Und genau das kam zurück.

Lars hat seitdem täglich weiter mit Human Garage geübt. Er erzählt, dass er ruhiger in sich geworden ist, weniger Meditation braucht, um zentriert zu sein, und seinem Leben mehr vertraut. Eine Schulter, die er nach einem alten Sturz jahrelang nicht ganz heben konnte, ging nach einer Woche gemeinsamer Praxis fast frei. Und er hat etwas erkannt, das ich aus meiner eigenen Praxis kenne: In der Gruppe gehst du tiefer, als du allein je gehen würdest. Allein hältst du dort an, wo es unangenehm wird.

 

Was wirklich bleibt

Als Lars nach drei Tagen im Koma aufwachte, nahm er sein Handy. Seine Schwester hatte auf Facebook geschrieben, was passiert war. Es gab Hunderte Reaktionen, Hunderte Nachrichten. Er sagt, er war komplett überwältigt von Liebe, von dem Gefühl, dass alle, die ihn kennen, an ihn denken. Das war der Moment, in dem er verstanden hat: Es geht nicht um den nächsten Kick. Es geht um die Menschen und die Liebe, die du teilst.

Hier liegt einer der parallelen Stränge, von denen ich in der Folge spreche. Vier Wochen nach Ägypten lag ich selbst im Krankenhaus, schwer krank, drei Tage auf der Intensivstation. Und ich habe dasselbe erlebt: die Liebe meiner Familie, meiner Freunde, von Menschen, die ich kaum kenne. Ich war mein ganzes Leben der Starke, der alles selbst kann. Dort konnte ich nichts mehr. In Ägypten war ich im Dienst und konnte nicht loslassen. Das Leben hat es vier Wochen später nachgeholt

Ein Jahr dem Herzen folgen

Seit Jahresbeginn lebt Lars ein Experiment: ein ganzes Jahr lang nur dem Herzen zu folgen. Was ich daran so mag, ist seine Ehrlichkeit. Er sagt, dass er es manchmal einfach vergisst. Dass der Verstand stark ist und seine Gewohnheiten auch.

Wenn er merkt, dass er sich verrennt, kehrt er zu einer Frage zurück: Was würde die Liebe tun? Für Lars ist das Herz kein Gefühl, das gegen den Kopf kämpft. Es ist ein Perspektivwechsel. Das Ego fragt, was ich will. Das Herz zoomt heraus und fragt, was der Situation dient, der Beziehung, dem Moment.

Und dann erzählt er, wie Ägypten überhaupt zustande kam. Er hatte keinen Plan, nur eine klare Intention. Er interviewte Mariam Khadiga, die Gründerin von The Travelling Temples, für seinen Podcast. Ein paar Wochen später fragte sie ihn, ob er eine Reise mit Human Garage filmen wolle. Über die Reise kam Eric, über Eric ein weiteres Gespräch, über Jason und Aisha der Kontakt zu Garry Lineham, dem Mitgründer von Human Garage. Lars nennt es einen Schneeball. Wenn er das mit dem Kopf versucht hätte, sagt er, hätte er LinkedIn durchsucht.

Die Angst vor dem Tod

Ägypten ist eine einzige Kontemplation des Todes. Lars erzählt, dass man in der alten Kultur über Jahre den Nil entlanggereist sei, von Tempel zu Tempel, und an jedem Ort ein Stück der eigenen Identität sterben ließ. Unsere Kultur dagegen ist besessen davon, nicht zu sterben.

Im Gespräch kam mir dazu ein Gedanke, den ich so noch nie formuliert hatte. Ich habe keine Angst vor dem Tod, wenn ich voll gelebt und geliebt habe. Die Angst ist in Wahrheit das Bedauern, nicht ganz da gewesen zu sein. Für mich sind das die schönsten Momente in einem Gespräch: wenn etwas gesagt wird, das keiner geplant hat und das so noch nie gesagt wurde. In dieser Episode gab es einige davon.

Was du mitnehmen kannst

Lars‘ Freund Oskar, der in Amsterdam Männerkreise leitet, sagt am Ende jedes Kreises: Das hier ist die Arbeit, aber die eigentliche Arbeit beginnt, wenn du aus der Tür gehst. Zeremonien, Retreats und Tempel sind Werkzeuge. Was zählt, ist, wie du morgen deinem Partner begegnest, deinen Kindern, der Kassiererin im Supermarkt.

Und vielleicht ist das die einfachste Frage, die diese Folge hinterlässt: Was hält dein Körper noch fest, das dein Kopf längst abgehakt hat?

Häufige Fragen zur Folge

Wer ist Lars Veenstra?

Lars Veenstra ist ein niederländischer Storyteller, Filmemacher und Fotograf und Host des Podcasts Spirit Unfolding. Im März 2026 hat er die Ägypten-Reise mit Human Garage mit der Kamera begleitet.

Was ist mit Körpergedächtnis gemeint?

Gemeint ist, dass der Körper Erfahrungen speichert, an die sich der Kopf nicht erinnert. Lars hat vom Aufprall seines Unfalls nur einen schwarzen Schnitt im Gedächtnis. Sein Körper hat ihn zehn Jahre lang gehalten, bis sich bei einer Hüftöffnung am Nil die alte Angst zeigte und dann löste.

Was heißt es, ein Jahr dem Herzen zu folgen?

Seit Jahresbeginn lebt Lars das Experiment, ein ganzes Jahr nur dem Herzen zu folgen. Wenn er merkt, dass er sich verrennt, kehrt er zu einer Frage zurück: Was würde die Liebe tun? Für ihn ist das Herz kein Gefühl gegen den Kopf, sondern ein Perspektivwechsel, weg von dem, was ich will, hin zu dem, was der Situation dient.

Wo kann ich die Folge hören?

Auf YouTube mit deutschen Untertiteln, auf Spotify und auf Apple Podcasts. Die Folge ist auf Englisch und erscheint am 22. Oktober 2026. YouTube · Spotify · Apple Podcasts

Kapitel

00:00 Starting a storytelling career

17:30 Realizing personal authenticity

20:41 Redefining Spiritual and Personal Identity

33:11 Finding Inner Fulfillment

47:00 Reflecting on temple energy connections

54:21 Visiting a friend’s unique house

01:05:56 Embracing technology and ancient wisdom

01:18:35 Embracing the Present Moment

01:27:46 Discussing spiritual independence

01:42:24 Releasing tension through movement

01:47:22 Daily resets and body awareness

02:00:00 Changing Energy and Experience

02:05:12 Embracing Your Unique Identity

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